Individuelle Kräutertherapie - mit europäischen oder chinesischen Kräutern

Die chinesische Kräutertherapie ist ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin. In China werden bis zu 70% der Patienten mit Phytotherapie behandelt. Es sind etwa 35 000 Arzneidrogen in China bekannt, von denen in Deutschland etwa 500 verwendet werden können (humanmedizinisch). Dabei ist der Begriff „Kräuter“ eigentlich ein wenig irreführend, da neben den Pflanzen auch Arzneimittel mineralischen und tierischen Ursprungs Verwendung finden. Dabei werden von mir selbstverständlich keine geschützten Pflanzen bzw. Produkte tierischen Ursprungs eingesetzt. Die Grenze zwischen Diätetik und Arzneimitteltherapie ist fließend, da z.B. Ingwer einerseits als Gewürz in der Küche und andererseits als Arzneimittel in der Kräutermedizin gebraucht wird. 

Die chinesische Phytotherapie kommt häufig bei inneren und / oder chronischen Erkrankungen zur Anwendung. Insbesondere „Leere“-Erkrankungen, bei denen ein Energiemangel in einem oder mehreren Bereichen vorliegt, oder wenn z.B. die Körperflüssigkeiten betroffen sind, sind ohne die Verwendung von Kräutern oft nur schwer zu behandeln. Dies kann bei Tieren z.B. bei Sommerekzem, Husten, Hufrehe, Lahmheiten, Stoffwechselproblemen und vielen anderen Erkrankungen der Fall sein.

Kräuter (und Lebensmittel) werden in China traditionell nach ihrem Geschmack, ihrem Temperaturverhalten und ihrem Bezug zu einem oder mehreren Funktionskreisen eingeteilt. Dies kann jeder, der schon mal ein Stück frischen Ingwers gegessen hat („scharf“ und „warm“) leicht nachvollziehen. Bereits seit 770 v. Chr. wurden in China die beobachteten Wirkungen der einzelnen Arzneimittel schriftlich dokumentiert. Daher gibt es heute zu jeder Arznei detaillierte Beschreibungen ihrer traditionellen Wirkungen, die es dem Therapeuten ermöglichen, die Kräuter optimal miteinander zu kombinieren und eine individuelle Rezeptur entsprechend der chinesischen Diagnose zu erstellen. So können z.B. durch die Kombination „warmer“ und „kühler“ Kräuter mit Wirkung auf den Funktionskreis „Lunge“ die Temperaturwirkungen ausgeglichen werden, wenn ein temperaturneutrales Verhalten der Endrezeptur erwünscht ist, während gleichzeitig die Wirkung auf den Funktionskreis „Lunge“ verstärkt wird. Bei der Erstellung einer Rezeptur benötigt der Therapeut also umfangreiche Kenntnisse über die einzelnen Arzneikräuter. Umfangreiche aktuelle pharmakologische Forschungen in China ermöglichen es außerdem, die Wirkungsweisen vieler Arzneimittel auch aus moderner Sicht zu erklären.

Auch die Anwendung von europäischen / "westlichen" Kräutern im Sinne der TCM findet zusehends Eingang in die Behandlungsmöglichkeiten bei Tier und Mensch. Dabei wird insbesondere auch der Gedanke verfolgt, daß Kräuter aus dem "regionalen" Umfeld, also hier im "Westen" gewachsen, am besten an die hiesige Witterung und somit auch an den Patienten im mitteleuropäischen Raum angepaßt sind. Dabei wird versucht, die gut bekannten und erforschten "westlichen" Wirkungsweisen der Kräuter mit dem "östlichen" Gedankengut in Verbindung zu bringen, und z.B. auch diese Kräuter nach ihrer Temperatur, ihrem Wirkort und ihrer Wirkrichtung einzusetzen.

 

 

Sowohl bei der Anwendung der chinesischen als auch der europäischen Kräuter arbeite ich entsprechend der Prinzipien der TCM mit individuellen Rezepturen, die regelmäßig an den aktuellen Zustand des Patienten angepaßt werden. 

Die chinesischen Kräuter werden entweder traditionell als Dekokt aus Rohdrogen zubereitet (eingeweicht und abgekocht), als Granulat mit heißem Wasser übergossen oder als hydrophiles Konzentrat (wässriger Auszug) verabreicht. Bei Tieren hat sich die Verwendung der flüssigen Konzentrate als sehr praktikabel erwiesen. Dazu wird ein individuelles Rezept zu einer spezialisierten Apotheke gefaxt, die Ihnen dann die gebrauchsfertige Lösung zuschickt.

Bei europäischen Kräuter bevorzuge ich die getrockneten Pflanzen (sogenannte Rohdrogen), die beim Pferd unter das tägliche Futter gemischt werden (zum Beispiel etwas Mash / gekochter Leinsamen oder auch ein paar eingeweichte Heucobs bei Tieren, die sonst kein Zusatzfutter neben ihrer Heu- oder Grasration erhalten).

Aus arzneimittelrechtlichen Gründen dürfen chinesische Kräuter (wie auch Blutegel) nur bei Pferden eingesetzt werden, die im Equidenpaß als "nicht zur Schlachtung bestimmt" eingetragen sind. Bei Hunden dürfen diese Therapien natürlich auch zur Anwendung kommen.